Digitaler Kommerz

ZWISCHEN SOFA UND UBAHN

„Insgesamt wird auf dem deutschen eBay Marktplatz jede Sekunde ein Produkt mobil gekauft. Alle 30 Sekunden wechselt ein Paar Damenschuhe mobil den Besitzer; eine Damentasche alle 2 Minuten. Ein Tablet-PC und auch ein Fahrzeug werden alle 10 Minuten mobil bei eBay in Deutschland gekauft.“ Quelle: ebay

Alles andere als Peanuts:
Für das Jahr 2015 prognostiziert getchee.com im Mobile Commerce 119 Mrd. US-Dollar Jahresumsatz. Spätestens 2014 wird im globalen E-Commerce ein Umsatz in Höhe von einer Billion Dollar erwirtschaftet. Das entspricht einem Marktanteil von 54% im Gesamt-Retail-Geschäft.

Für Deutschland weissagen die Auguren des bvh in einer aktuellen Studie ebenfalls einen Höhenflug des nationalen E-Commerce. Im 1.QT 2013 wurde demnach ein Plus von 19,4% eingefahren. Für das Gesamtjahr 2013 spricht man von einem Umsatz im Onlinehandel von 50 Mrd. Euro.

Immerhin 6-10% entfallen je nach Segmet hier auf den M-Commerce. Bei den großen Plattformen Amazon & Ebay sind die Zahlen sogar höher.

Ein Problem: Bis heute sind nur knapp die Hälfte der Onlineshops überhaupt für Smartphones optimiert – für Tablets lediglich 1/3 aller Shops. Für alle Shop-Betreiber ist es also an der Zeit, sich über die Optimierung ihres Shops Gedanken zu machen. Etwa 60% der Käufer wünschen sich optimierte Websites.

Der Trend zum M-Commerce wird durch bessere Bedienbarkeit und spezielle Anpassungen an die Endgeräte befeuert. Immer mehr User ziehen Smartphone und Tablet dem Desktop auf ihrer Shoppingtour vor.

Es reicht aber nicht, irgendwie von Smartphone oder Tablet aus „erreichbar“ zu sein, sondern beide Geräte haben ihre Usability und technischen Besonderheiten, die es zu beachten gibt. Eine kleine Übersicht:

  • Die Bandbreite: Mobile Internetverbindungen werden immer schneller. Dennoch sollte man darauf achten, dass der User nicht durch den Ladebalken in der Kaufabwicklung unterbrochen wird.
  • Mit wenigen Klicks zum Produkt: Eine gute Suchfunktion und gute Filteroptionen sind das A und O in der mobilen Kaufabwicklung. Außerdem – und das gilt auch für den E-Commerce am PC – sollte der Shop gerade bei vielen Kategorien und Produkten ganz klar und einfach strukturiert sein.
  • Das Produkt sollte auch auf wenig Platz optimal präsentiert werden. Viele Shops bieten heute 360° Ansichten und Bilderzooms ihrer Produkte an, die mobil per Touchoberfläche nicht funktionieren. Gute Produktbeschreibungen lassen sich heute z.B. wunderbar mit Videos realisieren (enjoyyourcamera.de). So hat der Kunde sofort einen Endruck von Größe, Funktion und Material des Produkts – das steigert nicht nur die Konversionrate, sondern minimiert auch die Rücksendequote.
  • Social: Spannend für die Nutzer ist es, wenn es positives Feedback zu einem Produkt oder einer Dienstleistung gibt. Das funktioniert dann besonders gut, wenn man diese anderen User als “echt” wahrnimmt und die Kommentare nicht als Fake erkennt. Sternenvotings geben dem Produkt in der Übersicht einen Vorsprung gegenüber anderen Produkten und dem User ein gutes Gefühl. Mobil bedeutet: der Kunde findet schneller das beste Produkt.
  • Warenkorb und Checkout müssen ebenfalls auf die besonderen Anforderungen optimiert werden. Der Checkout muss übersichtlich und auf einer Seite ablaufen, damit werden die Klicks und die Zeit bis zum Kaufabschluss reduziert. Versandkosten und Rücksendeoptionen sind klar und transparent darzustellen.
  • Bezahlsysteme: Vorabüberweisung ist wohl die langsamste Option, die man sich vorstellen kann und hat mobil eigentlich nichts zu suchen. Die wohl verbreitetsten Paymentdienste sind derzeit Paypal, amazon payments und Sofortüberweisung.de. Da der Rechnungskauf in Deutschland weiterhin beliebt ist, aber gerade für kleinere Shopbetreiber das Risiko zu groß ist, gibt es Anbieter wie Klarna.de oder billsafe.de (gehört zu Paypal). Diese sichern den Kauf für den Händler ab und der Kunde muss keine sensiblen Daten weitergeben.
  • Alle Buttons und Bilder müssen für die mobile Ansicht größer, gut lesbar und in guter Qualität dargestellt werden.

Übrigens: Vielmehr noch als am Desktop ist Sicherheit für den mobilen Käufer wichtig.

Shopping Apps

Nahezu alle großen Shopbetreiber setzen in ihrer Mobile Commerce-Strategie auch auf Apps, die sie für alle Plattformen (iOS, Android und auch für Windows Phone) anbieten.

Für den User bieten diese Apps oft einen Mehrwert, den eine mobile Website nicht in dem Maße bieten kann. Pushnachrichten mit aktuellen Angeboten und Aktionen direkt auf das Display, gespeicherte Warenkörbe oder Location Based  Services um nur ein paar dieser Vorteile zu nennen.

Allerdings kann eine App immer nur ein zusätzlicher Kanal sein und ersetzt eine mobile Website nicht. Nicht jeder User hat Interesse für den Kauf extra eine App zu installieren! Zumal damit der spontane Kauf unterwegs direkt wegfällt.

Erst wenn bereits eine Bindung zu der Marke aufgebaut ist, kommt für die meisten Nutzer ein Download in Frage.

Aus Sicht der Shopbetreiber ist der Aufwand, den sie in den Aufbau und Pflege der Apps für alle Plattformen stecken müssen deutlich höher als der Betrieb eines Shops der mobil optimiert ist (RWD).

SOFA vs UBAHN

Wo wird mobil am liebsten geshoppt? Ob Tablet oder Smartphone, Mobile Commerce oder Couch Commerce? Die aktuelle Studie von Adobe Digital Publishing belegt, wer aktuell die Nase vorne hat.

Tablet-Nutzer geben fast doppelt soviel Geld für Produkte und Dienstleistungen aus wie Smartphone-Nutzer. Während Smartphone-Nutzer ihre Geräte vermehrt zum Produktvergleich aus der Hosentasche nehmen, kommt es bei Tablet-Nutzern eher zum Online-Kaufabschluss.

Außerdem werden die meisten Umsätze am Wochenende, speziell Sonntags und am Abend zwischen 18 und 22 Uhr gemacht.

Auf der einen Seite belegen diese Zahlen, dass immer noch zuhause geshoppt wird und weniger von unterwegs, auf der anderen Seite sehen wir, dass nur ein kleiner Teil der Onlineshopanbieter überhaupt in der Lage ist, die Nutzer auf dem Smartphone gerätegerecht zu bedienen.

Smartphones werden aufgrund der Größe sicher dem Tablet in Sachen Stöbern im weltweiten Marktplatz nie das Wasser reichen. Dafür kann das Smartphone unterwegs den spontanen Kauf übernehmen. Und spätestens wenn mobile Bezahlsysteme (NFC, etc..) erstmal etabliert sind, spielt das Smartphone im mobilen Shopping die erste Geige.

VORSPRUNG

An den Verkaufszahlen der Computerhersteller lässt sich ablesen: Der Desktop-PC ist längst Geschichte. Und seit kurzem geht es dem Notebook an den Kragen. Laut FAZ zogen die Absatzzahlen der Tablets mit den  Mobilen Rechnern gleich. Weltweit wird das Tablet die Zahlen dieses Jahr noch übertrumpfen.

Die Zukunft des E-Commerce findet damit ganz klar auf dem Tablet und dem Smartphone statt. Unternehmen ohne angepasste Shopoberflächen werden über kurz oder lang das Nachsehen haben. Mit einem reaktionsfähigem Design verschaffen sich Shopbetreiber – die jetzt reagieren – einen Wettbewerbsvorteil der sich mittelfristig auf eine bessere Marktpositionierung auswirkt.

Glossar

E-Commerce steht für „Electronic Commerce“ und bedeutet
„elektronischer Handel“. Er umfasst den Kauf von digitalen Inhalten bis zu konventionellen Waren und Dienstleistungen.

M-Commerce steht für „Mobile Commerce“ und bedeutet „mobiler Handel“.
M-Commerce beschreibt jede Art Transaktion, die von unterwegs über eine mobile Datenverbindung getätigt wird. Zu 80% findet das über Smartphones statt, aber auch Tablets spielen da eine Rolle.

Couch-Commerce steht für das Kaufen vom heimischen Sofa aus. Die Nutzer holen sich den Shop auf den Schoß. Diese Lean-Back-Situationen am Tablet werden zum digitalen Schaufensterbummel genutzt und Kunden lassen sich gerne verleiten mehr oder anderes als das ürsprünglich anvisierte zu kaufen.

Social Commerce oder auch Social Shopping ist ebenfalls ein Teil vom E-Commerce und steht für die aktive Kundenbeteiligung. Die verbreitetste Form ist die Kundenbewertung und Kaufempfehlungen (siehe Amazon.com). Das können klassische Bewertungen zum Produkt im Shop selbst sein, aber auch in Blogs oder in Form von Pins und Tweets. Außerdem auch Mass-Customization: Hier übernimmt der User die Position des Gestalters während spezielle Anbieter die Rolle des Herstellers inkl. Lagerhaltung, Produktion, Versand, Zahlungsabwicklung übernimmt. Bekanntestes Beispiel: Spreadshirt.de

Crosschannel-Commerce bedeutet nichts anderes als dass Firmen, die lokale Geschäfte betreiben, also klassische Handelsketten wie Saturn oder H&M, auch im E-Commerce ihre Produkte verkaufen. Natürlich gilt dies auch andersrum: MyMüsli war lange Zeit nur Online zu bekommen und steht heute in einigen Einzelhandelsgeschäften im Regal.

Blog | 7 June 2013

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